„Falsch, aber so wunderbar falsch!“ // Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne

Bevor ich bald – wirklich! – noch meinen Kino-Jahresrückblick von 2015 nachhole, gibt es heute meine Meinung zu „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“, das ich mir gestern relativ kurz entschlossen im Traumkino (was mich wirklich immer wieder positiv stimmt, weil ich den Altersdurchschnitt deutlich hebe und mich zwischen all den alten Menschen, die Mittwoch Vormittag ins Kino gehen, immer ganz kultiviert fühle :D) anschaute.

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Ich sah bereits vor einiger Zeit den Trailer und fand den Titel so skurril, aber irgendwie auch schön. Und tatsächlich bietet sich hier eine Geschichte, die auf den ersten Blick furchtbar komisch ist, im Laufe der Zeit aber dem Genre der Tragikomödie immer gerechter wird und sich zu einem Ringen zwischen Wahrheit und Lüge entwickelt, bei dem man einerseits mit diesem typisch theatralischen „Kichern, das im Halse stecken bleibt“ im Sessel sitzt und andererseits fassungslos auf die Leinwand starrt. (Inhaltsangabe wie immer anderswo, zum Beispiel hier)

Viel schlimmer als der Anfang einer Casting-Show ist es dann auch wieder nicht – man kann aber zwei Stunden lang erkunden, warum jemand sich das antut. (via)

Der Trailer zeigt ganz unverhohlen gleich zu Beginn den Höhepunkt von Marguerite Dumonts „Künsten“ (und sonst auch ziemlich viel von der Story) – ganz in Casting-Show-Manier. Aber das Zitat der Süddeutschen zeigt, warum es sich lohnt, diesen Film trotzdem zu schauen: Um zu verstehen, wie eine Frau, die für die Musik und ihren Gesang brennt und lebt, von ihrem gesamten Umfeld in dem Glauben gelassen wird, sie wäre eine herausragende Künstlerin – es aber eben eigentlich nicht ist. Aber Kunst – auch die Musik – liegt ja im Auge (übrigens ein sich wiederholendes Motiv im Film) des Betrachters!
Der tatsächliche Höhepunkt in dem kapitelweise aufgebauten Film ist übrigens „Die Wahrheit“, die – für mich – irgendwie überraschend bzw. zumindest mit einer kurzen, aber gut gesetzten Verzögerung verbunden war.

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Insgesamt zieht sich der Film, immerhin 127 Minuten lang, schon ein wenig, allerdings machen es die Gliederung und das Zustreben auf den unumgänglichen Wendepunkt spannend, der Geschichte von Marguerite zu folgen. Besonders beeindruckend fand ich die ganzen Fotografien, die Madame Marguerite mithilfe ihres Butlers inszeniert und die das ganze, ohnehin pompöse Interieur auf verrückte Art ergänzen. Die Schauplätze – Paris in den Zwanzigerjahren – sind aber ohnehin eine Augenweide.

Madame Marguerite macht im Film übrigens auch einen Ausflug in einen Club der damaligen Zeit und wird Teil eines Dada-Abends, der nach ihrem mehr oder weniger glorreichen Auftritt abrupt endet – ganz passend also für das 100-jährige Dada-Jubiläum in diesem Jahr. Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch viel mehr zu entdecken (ein riesiger Spielball in Augen-Optik beispielsweise), sodass sich der Film für einen gemütlichen, tragikomischen Abend auf der Couch durchaus eignet und lohnt.
Und wer lieber Hollywood-Verfilmungen statt belgisch-französisch-tschechischen Produktionen mag: Diesen November soll die Verfilmung zum Leben von Florence Foster-Jenkins, die als Vorlage für Marguerite Dumont diente, mit Meryl Streep und Hugh Grant in den Hauptrollen erscheinen.

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About Lisa

Lisa, Jahrgang '91, Dresden. Mag Kunst, Lomographie und alles mögliche Kreative.

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