Heit is dor heilge Ohmd ihr Leit… Oder: Die jährliche Dosis an erzgebirgischem Liedgut.

Immer wieder stießen Leute in den letzten Wochen auf meinen Blog, weil sie nach Liedern für den Hutznohmd suchten. Das freut mich riesig und wer nicht weiß, was ein „Hutzenabend“ ist, sollte das hier nachlesen oder einfach mal ins Erzgebirge kommen. Das ist zur Weihnachts- und Winterzeit sowieso immer eine gute Idee!

schwibbbbogen

Zur Feier des Heiligabends, den wir heute mit Baum schmücken, Linsen zum Mittag (für’s kleine Geld) und der Vorbereitung zu einer Variante des „Neinerlaa’s“ (mit Weihnachtsgans, Klößen (für’s große Geld!), Brot und Salz auf dem Tisch und jeder Menge Kompott (was das „Neunerlei“ dann definitiv sprengt)) verbringen, habe ich euch das Lied schlechthin mitgebracht:

Heit is dor heilge Ohmd ihr Leit,
kommt rei, wir gießen Blei,
Fritz laaf geschwind‘ zur Hannelies,
die soll beizeiten rei.

Im Arzgebirg is wahrlich schie,
wenn’s draußen stürmt und schneit,
un wenn de Peremett sich dreht,
is unnre scheenste Zeit.

(Variation des Heilig-Obnd-Liedes, meiner Textkenntnis entspringend)

Bevor ihr nach der Diskrepanz zwischen der Schreibweise in meinem Titel und der des Liedes fragt: Die Schreibweise mancher Wörter ist durchaus selbst dem Erzgebirger ein Rätsel. Das liegt wohl daran, dass sich das Erzgebirgische laut Wikipedia nochmal ins Ost-, West- und Nordwesterzgebirgisch unterteilt (noch ein Rätsel: Wo kommt denn bitte Oberharzisch her?). Ich persönlich zähle „meine Heimat“ und mich- geographisch und bzgl. innerer Verbundenheit – zum  Westerzgebirgischen und kann aus Erfahrung sagen, dass es selbst innerhalb dieses abgesteckten Kreises Diskussionen nur innerhalb zweier benachbarter Dörfer geben kann, was die Aussprache von Kuchen angeht. Und wenn die Aussprache klar ist, dann gibt es eben Probleme bei der Schreibweise. Das kommt dann aber – wenn man Heimathefte und Liederbücher unberücksichtigt lässt – doch eher selten vor, weil man geschrieben selbst als „Hießscher“ kaum mehr was versteht. Jedenfalls bevorzuge ich persönlich die Schreibweise „Ohmd“, weil sie eher an die wahre Aussprache herankommt.

Das Heiligohmd-Lied könnte man übrigens als das längste Weihnachtslied der Welt bezeichnen. Ursprünglich umfasste es allerdings nur um die 13 Strophen und wurde um 1800 von Johanne Amalie von Elterlein verfasst. Und dann geschah das:

„Dem Heiligobndlied gesellten und gesellen sich bis heute unzählige Strophen hinzu, denn dieses heitere Lied aus kurzen Strophen und einfachem Refrain animierte zu zahlreichen Weiterdichtungen. Ein Großteil dieser Weiterdichtungen wurde niedergeschrieben, so dass das Heiligobndlied heute nach der Zusammenstellung Manfred Blechschmidts aus mindestens 156 Strophen besteht. (wiki)

Wieder was gelernt! Und wer mehr erfahren oder sich ein bisschen erzgebirgisches Weihnachtsfeeling nach Hause holen will, dem sei „So klingt’s bei uns im Arzgebirg“, am 24.12. von 16.50-17.50 Uhr  auf dem MRD, ans Herz gelegt.

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About Lisa

Lisa, Jahrgang '91, Dresden. Mag Kunst, Lomographie und alles mögliche Kreative.

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