Zwei Männer und das Meer.

Kennt ihr „Der alte Mann und das Meer“? Ich leider nur aus den Erzählungen meiner Eltern, die den dazugehörigen Film immer als Paradebeispiel der langweiligen Unterhaltung deklarieren: 3 Stunden und – eben passend zum Titel – nur ein alter Mann und das Meer. Seit ich allerdings eine äußerst schicke Ausgabe dieses Werks im Buchladen sah, ob des geringen Umfangs erstaunt war und mich schnell und angenehm durch die erste Seite gelesen habe, war ich schon ein bisschen begeistert. Irgendwann muss ich mir das mal noch vornehmen… Grandioserweise habe ich eben bei der Suche nach dem Cover eine Leseprobe gefunden – falls ihr wollt, ich werd auf jeden Falls reinlesen.

Eigentlich will ich heute aber gar nicht auf den alten Mann und dessen Meer hinaus, welches auch immer es sein mag. Vielmehr geht es mir um das eine Meer, nämlich die Ostsee, und zwei Männer, die sich vor etwa hundert Jahren in einer Künstlergemeinschaft trafen, sich später zerstritten, aber in diesem Jahr doch – vereint durch die Liebe zur Ostsee – wieder zusammentreffen.

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Die Rede ist von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein, die um 1910 gemeinsam mit Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner in der Künstlergemeinschaft „Brücke“ tätig waren.

Wir haben natürlich überlegt, wie wir an die Öffentlichkeit treten könnten… Schmidt-Rottluff sagte, wir könnten das „Brücke“ nennen – das sei ein vielschichtiges Wort, würde kein Programm bedeuten, aber gewissermaßen von einem Ufer zum anderen führen. [Erich Heckel]

Für mich ist das nichts ganz neues, wenn man bedenkt, dass die Brücke in Dresden gegründet und eine Zeit lang hier tätig war – studiert man das „irgendwas mit Kunst“ in Dresden kommt man um diese Namen einfach nicht drumrum. Darüber hinaus hielten sich aber alle Künstler auch an der Ostsee auf. Sie mieden dabei die überlaufenen Orte und suchten in kleinen Dörfern und an abgeschiedenen Stränden die Natur, die Abgeschiedenheit und Ursprünglichkeit.

Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald stellt in der Ausstellung „Zwei Männer – ein Meer“, die noch bis zum 28.06. zu sehen ist, Bilder der beiden Künstler gegenüber, begleitet sie auf ihren Weg durch die einzelnen Dörfer an der Ostsee und illustriert die Routen, auf denen sich Pechstein und Schmidt-Rottluff über die Jahre hinweg bewegt haben, mit zusätzlichem Fotomaterial, Künstlerpostkarten und Filmmaterial.

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Ich fand die Ausstellung generell sehr gelungen und kann sie (mit Ausnahme der Filme vielleicht, die haben mich jetzt nicht so vom Hocker gerissen) definitiv empfehlen – am besten an einem sonnigen Tag, dann kann man die wunderschönen Ecken des Museumsgebäudes gleich noch mit bewundern.

Wenngleich ich Themen und Stil der Künstler weitgehend kenne, waren für mich sogar noch einige Schmankerl und Überraschungen dabei. Die Postkarten, die jede für sich schon als Kunstwerk gelten kann und die sich die Künstler untereinander geschickt haben, finde ich durch die schlichten Motive und die kurzen, manchmal auch wirklich witzigen Botschaften (s.o.) einfach so autentisch und besonders.
Darüber hinaus haben mich besonders die kantigen Fischerköpfe von Max Pechstein und die Steinköpchen von Schmidt-Rottluff überrascht – diese Facetten waren für mich völlig neu.

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Das soll es gewesen sein mit Empfehlungen und Einblicken in mein persönliches Werkstattbuch. Ich plane, in der nächsten Zeit mal wieder vermehrt ins Museum zu gehen und das vor allem auch mal wieder festzuhalte; ihr dürft also gespannt sein, ob es weitere Einblicke geben wird.

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About Lisa

Lisa, Jahrgang '91, Dresden. Mag Kunst, Lomographie und alles mögliche Kreative.

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