Stockholm // Djurgården

Nachdem wir am Tag unserer Ankunft lediglich ein bisschen durch die Gegend schlenderten, kaum fotografierten und ich aufgrund der Normalität in den Straßen (Menschen, Häuser, Baustellen… ihr kennt das) fast schon ein bisschen enttäuscht war, entschieden wir uns am nächsten Tag für einen Ausflug auf Djurgarden; im Gepäck die mit Redscale geladene LC-A, Spinner und Diana.

djurgarden_wegweiser_nordisches_museum
Das ziemlich erste, das man auf Djurgarden – „grüne Lunge der Stadt“ – zu Gesicht bekommt, ist das Nordische Museum, das Gebäude, das ihr in der Doppelbelichtung oben angedeutet seht. Das Foto verdeutlicht allerdings in keinster Weise die Größe des Gebäudes, das eher einem Rathaus gleicht. Laut Baedeker sollte es ursprünglich sogar drei Mal so groß werden… Und jetzt, wo ich weiß, dass neben Fischfanggeräten und schwedischen Volkstrachten auch das Dala-Pferd eine Rolle spielt, ärgere ich mich fast, dass wir nicht da waren – das nächste Mal dann.

Als erstes folgten wir den in den Himmel ragenden Schiffsmasten, die uns zum Vasa-Museum führten, welches als das meistbesuchte Museum Skandinaviens gilt.
Es behandelt die Geschichte der Vasa, einem Kriegsschiff, das unter Gustav II. Adolf (in welcher Reihenfolge spricht man das wohl aus?) während des 30-jährigen Krieges im Kampf gegen Polen gebaut wurde. Am 10. August 1628 hatte die Vasa dann ihre Jungfernfahrt – sie kam nur leider nicht sehr weit. Ein leichtes Lüftchen wurde dem Schiff zum Verhängnis, sodass es nach etwas mehr als einem Kilometer kenterte und sank. Schuld daran war unter anderem der Umstand, dass der König ein Jahr zuvor erfahren hatte, dass sein polnischer Gegner ein ebenso tolles Kriegsschiff plante und er deshalb, der Statik des Schiffes zum Trotz, befahl, mehr Kanonen an Bord zu schaffen. Als wäre das nicht schon genug der Ignoranz, brach man das Krängen (Stabilitätstest, bei dem 30 Mann von einer Schiffsseite zur anderen rennen, sodass das Schiff ins Wanken gerät), das die Instabilität des Schiffes eindeutig bezeugte, ab und schickte die Vasa trotzdem auf’s Wasser. Selbst Schuld.

djurgarden_vasamuseum
vasamuseum_innen_außen
Nachdem die Vasa schließlich 333 Jahre auf dem Grund der Ostsee lag, hob man das Schiff 1961 und widmete ihm ein Museum.
Obwohl ich solchen Männer-Museen meist eher wenig abgewinnen kann, fand ich das Vasa-Museum wirklich gut. Man kann das Schiff auf sieben Ebenen erkunden, wobei es ein wenig irritierend war, mittendrin auf Ebene 4 zu starten.
Am spannendsten fand ich persönlich die Tafeln, die rings um das Schiff herum die einzelnen Teile und ihre Funktion genauer erklären. Mehr vom Inneren des Museums gibt es übrigens hier zu sehen. Neben Bau und Bergung sowie der Seefahrt im 17. Jahrhundert, wird beispielsweise auch die Konservierung der Vasa – seit ihrer Hebung und in Zukunft – thematisiert.
Die Tatsache, dass die Vasa zu über 90% aus Originalteilen besteht (die Quellen scheiden sich: Baedeker sagt 95%, der Museumsflyer 98%) macht das Ganze aber eben wirklich einzigartig und rechtfertigt einen Besuch auf jeden Fall. Ich habe mir aus dem Shop sogar meine eigene kleine Vasa mit nach Hause genommen.

Nur wenige Schritte weiter wartet schon das Paradies für alle Kinder und Junggebliebenen: Junibacken.

junibacken_halle_karlsson
Ich persönlich reduziere Junibacken in meinen Erzählungen schnell auf „Astrid Lindgren-Museum“, das stimmt allerdings nicht ganz, denn auch die Mumins oder Pettersson und Findus laufen einem dort über den Weg; Pippi und Karlsson sind aber natürlich mit von der Partie! Ein Traum in allen Farben erwartet einen auf dem „Märchenmarktplatz Sagotorget“, der wunderbar und wirklich märchenhaft ist, auf dem man sich ohne Kinder allerdings ziemlich doof vorkommt. Wenn man zur richtigen Zeit kommt, kann man sich mit der „Märchenbahn“ auf eine „verzaubernde Reise“ begeben, auf der man allen möglichen Figuren der schwedischen Kinderliteratur begegnen soll. Wir haben uns das gespart und sind durch den grandiosen, aber leider ziemlich kostspieligen Museumsshop (in dem ich erfuhr, dass Michel eigentlich Emil heißt) direkt ins Restaurant marschiert. Wenn ihr da seid: Geht unbedingt ins Restaurant, es ist ein Traum!

junibacken_restaurant
junibacken_treppe_toalett
Nicht nur der Raum an sich ist wundersupermegaobertoll – das Toilettenschild ist ja schon so schön! Auch der Ausblick auf die Bucht Nybrovik (die und ein bisschen mehr von der Restauranteinrichtung gibt’s hier zu sehen) und die Auswahl an Süßwaren ist toll. Krönen kann das Ganze nur noch ein Mädchen, dass Pippi-Langstrumpf-auf-Schwedisch-singend an einem vorbei die Treppe hinauftänzelt. Letzteres kann ich euch aber nicht versprechen, das war einer meiner Lieblingsmomente in Stockholm :)
Im Restaurant aßen wir übrigens Köttbullar. Ich muss gestehen: Mir schmeckt’s bei Ikea besser – die Soße war schuld. (Die Tatsache, dass es dort ein paar Tage nach unserer Rückkehr aber keinen Kartoffelbrei als Beilage gab, stürzte mich in sehr tiefe Trauer.)

Im Anschluss daran ging’s weiter zum 1891 gegründeten, ersten Freilichtmuseum der Welt: Skansen.

skansen_blumen_bergbanan
skansen_eingang
Dabei fällt mir auf, dass weder Junibacken noch Skansen einen Artikel haben, was für Deutsche wirklich seltsam ist. Jedenfalls kann man dort „den Flügelschlag der Geschichte spüren“ (Zitat Fyler), was für unseren off-season-Besuch nur bedingt zutraf; toll war es aber trotzdem. Anhand zahlreicher historischer Gebäude  gewinnt man Einblick in die schwedische Vergangenheit, die durch traditionell gekleidete Statisten lebendig gemacht wird.

panorama_skansen_dorf_mitte
skansen_telefonzelle_fahrrad
skansen_schule
Auf dem letzten Bild ist eine schwedische Schule zu sehen… Es ist fast so, als könnte man Michel und Ida hinter den Büschen kichern hören, oder?
Darüberhinaus kann man aber auch noch typisch nordische Tiere – Elch, Braunbär oder Luchs – beobachten, ins Aquarium gehen (das kostet allerdings extra) oder aber die Aussicht von den unterschiedlichsten Stellen genießen.

panorama_skansen_ausblick
skansen_ausblick_2
skansen_ausblick
Ich habe mich übrigens die ganze Zeit gefragt, was ich auf dem oberen linken Bild fotografiert habe. Es ist schon wieder eine Toilette; die scheinen mich schwer beeindruckt zu haben, haha. Der Museumsshop ist übrigens auch hier empfehlenswert!

Obwohl Skansen den Abschluss unserer Museumsrunde auf Djurgarden bildete, hat die Insel noch eine Menge mehr zu bieten. Das Biologische Museum befindet sich beispielsweise unmittelbar am Eingang des Skansen, das Tabakmuseum sogar auf dem Gelände. Außerdem gibt es noch das Aquaria Vattenmuseum, die Liljevalchs-Kunsthalle, das ABBA-Museum oder aber Gröna Lund, den Vergnügungspark. Ja, Stockholm hat einen eigenen Vergnügungspark; ich war auch geplättet. Dazu aber ein andermal mehr.

Wir schlenderten abschließend einfach noch ein bisschen durch einen Park und am Ufer entlang, an dem wir überall diese bunten Aufkleber mit einem K darauf entdeckten – Lisa außer Rand und Band, weil tooooll!
Die gehörten zum Spritmuseum – auf dem Aufkleber ist also kein K, sondern ein Martiniglas dargestellt -, das sich mit der Geschichte des schwedischen Alkoholkonsums auseinandersetzt. Wir verzichteten aber auf einen Besuch, sodass ich mich mit einem kurzen Shopstöbern und einem Foto von den Aufklebern zufrieden geben musste.

djurgarden_hafen_spritmuseum
Auf Djurgarden kann man sich also locker ein, zwei Tage vertreiben; ein paar der Museen habe ich in einer kleinen Übersichtskarte zusammengefasst. Der großer Teil der Insel, der früher königliches Jagdgebiet war, ist heute übrigens als Erholungs- und Parkgebiet angelegt, während sich die Museen im Osten der Insel ballen.

djurgarden
Ich bin im Nachhinein sehr zufrieden mit der Auswahl, die wir getroffen haben. Djurgarden bietet aber genug, um das nächste Mal auf jeden Fall wiederzukommen.

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Mehr über’s Vasa-Museum, Junibacken und Skansen.

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About Lisa

Lisa, Jahrgang '91, Dresden. Mag Kunst, Lomographie und alles mögliche Kreative.

4 responses to “Stockholm // Djurgården”

  1. Dani says :

    Oh wie toll, danke für diesen schönen Artikel, ich möchte schon so lange mal nach Schweden… <3 Die Bilder sind alle so toll geworden! Liebe Grüße, Dani

  2. Anna says :

    Tolle Fotos! :) Wenn ich groß bin, will ich auch mal nach Stockholm!

  3. Linda says :

    Ich will auch zu Junibacken! Jetzt! Sofort!!!

Ein Kommentar, juhu!

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