„Bilder eines Vaters“ von Christiane Kohl

Vor wenigen Tagen habe ich ein Buch ausgelesen, das ich wirklich nur schwer beschreiben kann, aber dennoch mit gutem Gewissen empfehlen kann und möchte: Bilder eines Vaters von Christiane Kohl.

bilder_eines_vaters
Ich muss gestehen, dass Bücher rund um die Weltkriege nicht zu meinen liebsten gehören. Dieses zeichnet aber ein wunderbares Bild der damaligen Zeit und der jüdischen Familie Meyer, die – einst zum Großbürgertum des 19. Jahrhunderts gehörend – durch den Nationalsozialismus an den Rand der Existenz gedrängt wurde. Eine wichtige Rolle im akribisch recherchierten Buch (dafür meine Hochachtung an die Autorin!) spielt dabei unter anderem die Bücher-, Skulpturen- und Kunstsammlung des jüdischen Literaturprofessors Richard Moritz Meyer, der während seines Lebens zahlreiche Erstausgaben und Werke damals bekannter oder aufsteigender Künstler sammelte: Lovis Corinth, Adolph Menzel, Max Liebermann, Ferdinand Hodler, Max Klinger.

Lovis_Corinth_Selbstbildnis_im_Harnisch_1914 Kopie
Im Buch wird schließlich die Geschichte vom Antiquar Reinhold Meyer, dem Sohn von Richard Moritz und Estella, eingehender erzählt, der mit seiner deutschen Frau Lucie und den beiden adoptierten Kindern Klaus und Dorle im Haus der Familie Meyer in Berlin lebt. Durch die politische Lage, die sich ab den 1930er Jahren für Juden immer weiter zuspitzte, sieht sich der christlich getaufte „Jude“ gezwungen, das Haus der Familie in der Voßtraße in Berlin zu verlassen. Immer wieder muss er weiterziehen und Familienbesitz zurücklassen oder verkaufen. Auf dieser ganzen Odysee durch Berlin, die schließlich in Hohen-Neuendorf endet, lässt Reinhold eines nie zurück: Zwei Kladden seines Vaters, die die Hauschronik der Familie enthalten.

hodler Kopie
Diesem Erinnerungsstück und Reinholds Tochter Dorothea Wilke, die später Buchhändlerin wurde, ist es zu verdanken, dass Christiane Kohl der Familie ein Denkmal setzen konnte. Obwohl mich die Einführung unzähliger Personen am Anfang beinahe vom Weiterlesen abgebracht hätten, las ich das Buch in nur wenigen Tagen weg. Mir als Kunststudentin haben natürlich auch der Bezug zu den Künstlern der damaligen Zeit und die Geschichten der Gemälde und Skulpturen gefallen… was diese Sammlung wert gewesen sein muss! Eines der Werke aus Meyers Sammlung, der „Nachmittag im Tuileriengarten in Paris“ von Adolph Menzel, hat sogar einen – mehr oder minder schönen – Bezug zu Dresden.

Lediglich über den Verbleib von Dorles Bruder Klaus hätte ich gern mehr erfahren, allerdings hätte ich auch insgesamt noch ein paar hundert Seiten mehr über die spannende Familiengeschichte lesen können… Alles in allem also eine Empfehlung für alle, die sich für Familienschicksale, das Zeitgeschehen der Jahrhundertwende bis zum 2. Weltkrieg, Kunst und Bücher „nach einer wahren Geschichte“ interessieren.

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About Lisa

Lisa, Jahrgang '91, Dresden. Mag Kunst, Lomographie und alles mögliche Kreative.

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